Erfahrungen und Übertragungsmöglichkeiten von Human-Factors-Praktiken für den Umgang mit Unerwartetem in komplexen Projekten

AutorInnen: Andreas Nachbagauer, Iris Schirl-Böck, Edgar Weiss

Erscheinungsdatum: 01.04.2019

Studiengang: Projektmanagement & Organisation

Abstract

Dieses Working Paper schließt an theoretische Erkenntnisse über den Umgang mit Unerwartetem in Hochzuverlässigkeitsorganisationen sowie in Projekten und projektorientierten Organisationen einerseits und Analysen über die gelebte Praxis von Human-Factors-ExpertInnen und von ProjektmanagerInnen andererseits an. Es wird der Frage nachgegangen, welche Übertragungsmöglichkeiten sich aus diesen Praktiken für das erfolgreiche Management des Unerwarteten in Projekten ableiten lassen. Acht Hypothesen, wie sie in einem vorangegangenen Working Paper erarbeitet wurden (Nachbagauer et al. 2018), dienten als Ausgangspunkt einer moderierten Gruppendiskussion mit erfahrenen ProjektmanagerInnen. Die Ergebnisse bestätigen die Hypothesen und damit die Fruchtbarkeit der theoretischen Einsichten sowie der Erfahrungen von HumanFactors-ExpertInnen für ProjektmanagerInnen. Erkenntnisse sind unter anderem, dass es in komplexen Projekten besser gelingt, sich auf Turbulenzen einzulassen; dass es in komplexen Projekten nicht gelingt, den Ablauf vollständig zu planen – Planung jedoch weiter wichtig bleibt; dass schwerfällige und rationale Verfahren und Routinen Hindernisse sein können, während vorüberlegte Strukturen und klare Ziele, Vertrauen und Entscheidungsmodelle geschätzt werden; dass je nach Phase Autonomie oder Leitung betont werden soll. Aus der Vielzahl an Instrumenten der Human-Factors-Forschung wurden unter anderem das FOR-DEC-Modell, Kreativitätstechniken, Triage-Instrumente, systemische Ansätze, die Analyse von near misses und Debriefings als hilfreich hervorgehoben.