Rückschau VUC(ovid-19) CA World – Next Organisation? Kein Zurück in alte Muster

Welche Chancen und Risiken enthält die aktuell durch COVID-19 geprägte Arbeitswelt? Welche Rolle spielt dabei die VUCA Welt[i]für Unternehmen und MitarbeiterInnen? Dies erörterten ExpertInnen aus Wissenschaft und Wirtschaft in der virtuellen Podiumsdiskussion „VUC(ovid-19)CA World – Next Organisation? Was erwartet uns in dieser neuen, durch COVID-19 geprägten Arbeitswelt?" an der FH des BFI Wien.

Auf dem hybriden Podium, analog im Festsaal der FH des BFI Wien und virtuell zugeschaltet, beleuchteten die Podiumsgäste intensiv die vergangenen Monate der Arbeitswelt und deren Entwicklungen unter dem Einfluss der Corona-Pandemie.

Analoge und virtuelle Welt zusammenführen und Freiräume ermöglichen

Homeoffice und virtuelle Kollaboration haben die Arbeitswelt verändert. In unterschiedlicher Ausprägung. Es sei, so Eva Schiessl-Foggensteiner, eine zentrale Aufgabe für die Zukunft, diese Herausforderung anzunehmen. „Wir müssen mit einem Switch aus analoger und digitaler Welt umgehen,“ so die Geschäftsführerin der FH. Dabei sei es wichtig, die KollegInnen zu motivieren und ihnen auch Freiräume einzuräumen.

Motivation durch Freiräume

Wie wichtig Freiräume für die Motivation der KollegInnen sind, betonte Emir Selimovic, Co-Gründer des Startups TimeBite. Seine KollegInnen hätten weit mehr als 100 % ihrer Aufgaben erledigt darunter auch Dinge, die nicht in ihrem Aufgabenbereich lägen, aber auf das Unternehmensziel gerichtet seien, so Selimovic, und zwar höchst motiviert und mit unternehmerischer Herangehensweise.

Diesen Effekt konnte auch Alexandra Eichberger, Vice President Change & HR Excellence bei Magenta, unter den MitarbeiterInnen ihres Unternehmens feststellen. „Es gab eine unglaubliche Bereitschaft der KollegInnen, Verantwortung zu übernehmen.“ Was die Motivation der MitarbeiterInnen noch zusätzlich unterstützte, war die Erfahrung, dass KundInnen und MitarbeiterInnen sich gegenseitig viel Verständnis entgegenbrachten, so Eichberger.

Allgemeine Regeln für Homeoffice gäbe es jedoch nicht. Es komme, meinte Eichberger, auf die Menschen an. Unternehmen seien gut beraten, individuell zu reagieren und auf die Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen zu hören. Außerdem sei es wichtig, auch in einer virtuellen Arbeitswelt Raum für soziale Kontakte zu schaffen.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Für ein funktionierendes Homeoffice, dürfe - neben Freiräumen, Selbstverantwortung und sozialen Kontakten aber nicht übersehen werden, dass die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten, auch gegeben sein müssten. So ergänzte Robert Öllinger, Senior Consultant bei myAbility, die Diskussion um den zentralen Aspekt der technischen Ausstattung und nahm die Unternehmen in die Pflicht, „darauf zu schauen, dass die Ausstattung passt.“

Sei dies der Fall, stelle das Homeoffice durchaus eine Alternative für die Zusammenarbeit in Unternehmen dar, soweit Branche und Unternehmenszweck es zuließen, stimmten die ExpertInnen überein. Essenziell käme es jedoch auf die individuelle Einstellung der ArbeitnehmerInnen zum Homeoffice an. Dies habe nichts mit dem Alter, sondern mit dem Mindset zu tun.

Homeoffice als Falle

Die ExpertInnen warnten eindringlich davor, in alte Rollenmuster zu verfallen. Als große Herausforderung sahen sie in bestehende Betreuungspflichten. So übernähmen hauptsächlich Frauen in Teilzeitjobs die traditionellen Betreuungsaufgaben. Hier sprachen die DiskutantInnen eine deutliche Warnung aus: Es dürfe keinen Rückfall ins Biedermeier geben und der Gleichstellungsgedanke ausgehebelt werden.

Auch sollten die Unternehmen ihre ArbeitnehmerInnen endlich in ihrer Vielfalt verstehen und dies als eine Chance wahrnehmen, Vielfalt zuzulassen und einen positiven Nutzen daraus zu ziehen. Auch hier, so die überwiegende Meinung, gelte es noch Lücken zu schließen und Lernpotenzial zu nutzen.

Vom Panik- in den Lernmodus

Eine weitere Herausforderung stelle, so Organisationstheoretiker Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck, die Universalität der Krise dar. Dadurch unterscheide sie sich von den bisher dagewesenen Krisen eindeutig. Sie erstrecke sich über alle Branchen und böte auch enorme Chancen. Diese gelte es zu nutzen und aus dem Panikmodus in den Lernmodus zu wechseln. Erfahrungen müssten, so Dobusch, jetzt da sie noch frisch seien, reflektiert werden. Es müsse die Frage nach einer neuen Organisation von Arbeitsteilung gestellt werden. Wichtig sei hier, die MitarbeiterInnen einzubinden und nicht über diese, sondern mit ihnen zu sprechen. Auch sollten die generellen Arbeitszeitmodelle erneuert und überdacht werden. Wenn es gelänge, eine Vielfalt an Arbeitsmodi zu realisieren, so Dobusch, wäre viel erreicht. Es gäbe, so seine Meinung, nicht nur „one best way“ sondern verschiedene Lösungsmöglichkeiten.

Der Empfehlung nach einer neuen Organisation schloss sich auch Christian Marquart, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lektor im Kompetenzteam "New Work-New Business" an der FH des BFI Wien, an. Es mache durchaus Sinn, so Marquart, mit offenen Augen durch das Unternehmen zu gehen, den Dialog mit den ArbeitnehmerInnen zu suchen und aus deren Erfahrungen zu lernen. Emir Selimovic untermauerte diese Empfehlung. Jedes Team solle reflektieren, was die Learnings sind.

Eine hybride Arbeitswelt als Chance

Ebenso wie Eva Schiessl-Foggensteiner sahen auch die weiteren PodiumsteilnehmerInnen eine hybride Arbeitswelt als zukünftiges Szenario. Die virtuelle und die analoge Arbeitswelt sollten sich gegenseitig ergänzen. Robert Öllinger betonte, es sei wichtig, darauf zu achten, dass dabei alle Bedürfnisse beachtet werden.

Selbstverantwortung, Akzeptanz von Vielfalt und Mut

Abschließend stellte das Podium fest: Virtuelles Arbeiten ist möglich – wo es die Branche erlaubt. Es ist eine Sache von Selbstverantwortung, Akzeptanz von Vielfalt und Mut, neue Wege zu gehen. So kann aus der Krise eine Chance werden.

Es diskutierten

  • Alexandra Eichberger, Vice President Change & HR Excellence, Magenta Telekom
  • Christian Marquart, Mitarbeiter des Stadt Wien Kompetenzteams „New Work – New Business“, FH des BFI Wien & Coach & Unternehmensberater
  • Robert Öllinger, Senior Consultant, myAbility
  • Eva Schiessl-Foggensteiner, Geschäftsführerin, FH des BFI Wien

Moderiert hat Karin Bauer, der Standard.

Die Diskussion fand im Rahmen der Reihe New Work New Business der FH des BFI Wien statt. Weitere Informationen zu der Veranstaltungsreihe oder Kontakt zu den Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer über pr@fh-vie.ac.at.

Fotos:

© Robert Newald, Robert Newald Photo

[i] VUCA: ("V= volatility" ("Volatilität"), "U= uncertainty" ("Unsicherheit"), "C= complexity" ("Komplexität") und "A= ambiguity" ("Mehrdeutigkeit")