FH-WORKINGPAPERS

EINFLÜSSE DER INTERNATIONALEN FINANZKRISE AUF DEN FINANZSEKTOR RUSSLANDS

AutorInnen
Grigori Feiguine
Erscheinungsdatum
01.02.2010
Studiengang
International Banking and Finance, MA
Download

ABSTRACT

Die Jahrzehnte seit 1970 waren durch die Globalisierung der Finanzmärkte gekennzeichnet. Dabei waren die Globalisierungstendenzen im Finanzbereich oft deutlicher und schneller als im realen Sektor. Die finanzielle Globalisierung ist schon seit langem ein Gegenstand von zahlreichen Diskussionen, wobei ihre Vorteile und Nachteile gegenübergestellt werden. Als Vorteile gelten u.a. Impulse für die weltwirtschaftliche Integration, neue Ressourcen für die kapitalimportierenden Länder, neue Möglichkeiten für Finanzinvestoren sowie gewisse Anstöße für die Disziplinierung von Politik und Unternehmensmanagement. Als Nachteile sind u.a. negative Effekte durch Spekulationen (adverse Selektion, Moral Hazard-Verhalten, Herdenverhalten) bzw. weitgehend unkontrollierbare Prozesse auf den internationalen Finanzmärkten anzusehen (vgl. Duwendag, 2006, S. 72 - 87). Es ist auch zu berücksichtigen, dass die finanzielle Globalisierung immer wieder durch Finanzkrisen begleitet wurde (1994-95 in Mexico, ab 1997 in Südostasien, ab 1998 in Russland, 1998-99 in Brasilien, ab 2001 in Argentinien).In den letzten zwei Jahren sind negative Aspekte der finanziellen Globalisierung deutlicher geworden. Es kam zunächst zur Hypothekenkrise in den USA. Da aber die nationalen Finanzsektoren eng miteinander verbunden sind, wurden dadurch die Finanzinstitute praktisch in der ganzen Welt betroffen. So hat sich eine Hypothekenkrise in den USA ziemlich schnell zur internationen Finanzkrise bzw. zur Weltwirtschaftskrise entwickelt. Jedoch haben die Entwicklungstendenzen in einzelnen Finanzsektoren bzw. in einzelnen Volkswirtschaften durchaus auch nationale Spezifika. Dies ist auf verschiedene Faktoren wie bisheriger Stand der Entwicklung, Spezifika der nationalen Wirtschaftspolitik (u.a. auch im Finanzbereich) zurückzuführen. Dementprechend sind die gegenwärtigen Folgen der Finanzkrise bzw. die gegen die Krise getroffenen Maßnahmen ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich.Die Spezifika Russlands bestehen in erster Linie darin, dass der nationale Finanzsektor auch vor der Krise weitgehend unterentwickelt war. Dabei war eine gewisse Krisenanfälligkeit immer typisch. Damit sind die schon vorher bestehenden Probleme durch die internationale Finanzkrise (bzw. durch die Weltwirtschaftskrise) noch schärfer geworden. Es ist auch zu berücksichtigen, dass die Volkwirtschaft Russlands von den Preisen auf den internationalen Märkten von Rohstoffen stark abhängig ist. Die Weltwirtschaftskrise hat zur Verschlechterung der Finanzlage von vielen Wirtschaftssubjekten geführt, was die Finanzlage auf den internationalen Rohstoffmärkten negativ beeinflusst hat. So kostete 1 Barrel Öl noch im Juli 2008 etwa 140 US-$, im Herbst 2008 sank der Preis bis etwa 40 US-$. Diese Tatsache war sowohl für die allgemeine Entwicklung der russischen Volkswirtschaft als auch speziell für die Entwicklung im Finanzsektor von großer Bedeutung.Im vorliegenden Beitrag wird die Entwicklung des russischen Finanzsektors insgesamt seit Sommer 2008 analysiert. Im Anschluss daran folgt ein Überblick über die Regierungsmaßnahmen, die zur Überwindung der negativen Folgen der Finanzkrise in Russland Ende 2008 getroffen wurden.
Zur Übersicht